Bollenwees Widderalp Meglisalp Wasserauen

Die zweite Etappe unserer Alpstein-Wanderung
Die Bollenwees Widderalp Meglisalp Wasserauen Wanderung war für uns der perfekte Abschluss unserer Zeit im Alpstein. Nach einer unvergesslichen Nacht auf der Bollenwees mit Sonnenuntergang am Fählensee, Alphornklängen am Abend und einem ruhigen Morgen vor der Bergkulisse lag nun die zweite Etappe unserer Zweitagestour vor uns.
Der Weg führte uns von der Bollenwees über die Widderalp und die Meglisalp zurück nach Wasserauen. Eine Wanderung, die uns nicht nur wegen der beeindruckenden Landschaft in Erinnerung geblieben ist, sondern vor allem wegen der Begegnungen mit den Menschen, die den Sommer über auf den Alpen leben und arbeiten.
Doch unsere Wanderung war noch nicht zu Ende. Vor uns lag die zweite Etappe unserer Tour – von der Bollenwees über die Widderalp und die Meglisalp bis nach Wasserauen. Bereits vor fünf Jahren waren wir durch diesen Teil des Alpsteins gewandert. Damals hatten wir uns jedoch gegen eine Übernachtung auf der Bollenwees entschieden. Dieses Mal wollten wir die Bergwelt intensiver erleben und genau diese Entscheidung machte die gesamte Tour für uns noch einmal zu etwas ganz Besonderem.
🥾 Tour auf einen Blick
📍 Start: Berggasthaus Bollenwees
🏁 Ziel: Wasserauen
📏 Strecke: 10,7 km
⛰️ Höhenmeter: ↑ 460 m | ↓ 1.020 m
⏱️ Dauer: ca. 8 Stunden mit Pausen (reine Gehzeit ca. 3,5 Stunden)
🥾 Schwierigkeit: Anspruchsvolle Bergwanderung
🍽️ Einkehrmöglichkeiten: Widderalp, Meglisalp
🎒 Besonderheiten: Fählensee, Widderalpsattel, Meglisalp, Seealpsee
Bollenwees Widderalp Meglisalp Wasserauen: Ein einfacher Start in einen besonderen Wandertag

Nach einer ruhigen Nacht gingen wir hinunter in den Gastraum der Bollenwees. Das Frühstück war einfach gehalten, aber für uns vollkommen ausreichend. Es gab alles, was wir für einen guten Start in den Tag brauchten.
Wer hier ein Frühstücksbuffet wie in einem Vier-Sterne-Hotel erwartet, sollte sich bewusst machen, wo er sich befindet. Die Bollenwees liegt mitten im Alpstein und ist ausschließlich zu Fuß erreichbar. Jeder Liter Milch, jedes Brot und jedes andere Lebensmittel muss zunächst den Weg hinauf auf die Alp finden. Genau deshalb schätzen wir solche Unterkünfte besonders. Es braucht nicht immer Luxus – manchmal reicht eine warme Tasse Kaffee, frisches Brot und die Aussicht auf einen Bergsee.
Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke, verabschiedeten uns vom Berggasthaus und machten uns wieder auf den Weg. Noch einmal warfen wir einen Blick zurück auf den Fählensee. Erst wenige Minuten später verschwand die Bollenwees hinter den Bäumen und vor uns begann ein neuer Abschnitt unserer Wanderung.
Der Weg zur Widderalp beginnt harmlos – und fordert einen später umso mehr
Die ersten Meter führten uns zunächst leicht bergauf durch den Wald. Es war angenehm ruhig und noch lag ein Teil des Weges im Schatten. Doch wir wussten bereits, dass dieser Tag anstrengender werden würde als der vorherige.


Schon bald verließen wir den Wald und der Weg führte über offene Hänge weiter bergauf. Die Sonne stand inzwischen deutlich höher und die Temperaturen stiegen schnell an. Vor uns zogen sich unzählige Serpentinen den Hang hinauf. Von Weitem konnten wir bereits die Widderalp erkennen und dachten zunächst, dass wir unser Ziel bald erreicht hätten.
Doch wie so oft in den Bergen täuscht die Entfernung.
Mit jeder Kurve schien die Widderalp zwar etwas näher zu kommen, gleichzeitig merkten wir aber auch, wie viel Kraft uns der Aufstieg kostete. Die Hitze machte sich bemerkbar und wir mussten immer häufiger kurze Trinkpausen einlegen.

Irgendwann schauten wir uns an und stellten uns ganz ehrlich die Frage, ob wir wirklich weiterlaufen oder lieber umdrehen sollten.
Ich finde, genau darüber wird viel zu selten gesprochen.
Nicht jeder Wandertag fühlt sich leicht an. Manchmal stimmt einfach die Tagesform nicht. Vielleicht ist es zu warm, vielleicht steckt einem der Vortag noch in den Beinen oder man hat schlicht einen schlechten Tag erwischt. Und genau deshalb möchten wir euch sagen: Es ist keine Niederlage, eine Wanderung abzubrechen oder umzudrehen.
Die Berge laufen nicht weg.
Sie warten auch noch morgen auf euch.
Für uns war nach einer kurzen Verschnaufpause aber klar, dass wir es zumindest bis zur Widderalp schaffen wollten. Also bissen wir noch einmal die Zähne zusammen und setzten Schritt für Schritt unseren Weg fort.
Eine Pause, die wir dringend gebraucht haben
Als wir schließlich die Widderalp erreichten, waren wir ehrlich gesagt ziemlich erleichtert. Die Sonne brannte inzwischen vom Himmel und wir suchten uns sofort einen Platz auf der Terrasse.
Der erste Most und eine eiskalte Cola waren innerhalb weniger Minuten ausgetrunken. Selten haben Getränke so gut geschmeckt. Eigentlich wollten wir nur kurz verschnaufen und anschließend direkt weiterlaufen. Doch manchmal kommt alles anders.
Die Aussicht war wunderschön, die Atmosphäre angenehm ruhig und schon nach kurzer Zeit kamen wir mit den beiden Männern ins Gespräch, die den Sommer über die Widderalp bewirtschaften.


Aus der geplanten kurzen Pause wurde schließlich fast eine Stunde.
Rückblickend würden wir genau das wieder so machen.
Zu Gast auf der Widderalp – ein Sommer fernab vom Alltag
Während wir auf der Terrasse saßen, erzählten uns die beiden Männer von ihrem Alltag auf der Alp. Von Juni bis September leben sie hier oben – weit entfernt vom Alltag im Tal. Kein Feierabend nach der Arbeit, keine schnelle Fahrt zum Supermarkt und oft auch kein zuverlässiger Handyempfang. Stattdessen bestimmen die Tiere, das Wetter und die Natur den Tagesablauf.
Sie erklärten uns, dass sich ihre Aufgaben täglich abwechseln. Einer bleibt auf der Alp, kümmert sich um die Wanderer, versorgt die Tiere rund um die Hütte und erledigt die anfallenden Arbeiten. Der andere ist stundenlang unterwegs, kontrolliert die Kühe und Ziegen auf den umliegenden Weiden, prüft die Zäune und setzt sie regelmäßig um, damit die Tiere immer ausreichend frisches Gras und genügend Wasser zur Verfügung haben. Am nächsten Tag werden die Aufgaben getauscht.
Während unseres Gesprächs erzählten sie uns auch, wie außergewöhnlich trocken dieser Sommer sei. Dort, wo noch wenige Wochen zuvor Schnee gelegen hatte, war inzwischen alles ausgetrocknet. Besonders die Wasserversorgung der Tiere stellte sie in diesem Jahr vor große Herausforderungen.
Mit einem Lächeln erzählte uns einer der beiden schließlich, dass er gerade einen New York Cheesecake backen müsse.
Der Grund war allerdings nicht, dass er plötzlich Lust auf Kuchen hatte. Durch die frische Milch und die anfallende Molke blieb mehr übrig, als sie selbst verbrauchen konnten. Statt wertvolle Lebensmittel wegzuwerfen, wurde daraus kurzerhand ein Käsekuchen gebacken.
Genau solche Begegnungen machen für uns eine Wanderung unvergesslich. Man nimmt nicht nur beeindruckende Landschaften mit nach Hause, sondern begegnet Menschen, die den Sommer über unter einfachen Bedingungen auf den Alpen leben und mit viel Herzblut dafür sorgen, dass Wanderer einkehren können und die Tiere bestens versorgt sind.
Seit diesem Gespräch betrachten wir jede bewirtschaftete Alp noch einmal mit anderen Augen. Hinter einem Stück Käse, einem Glas Most oder einem einfachen Mittagessen steckt oft deutlich mehr Arbeit, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Nach fast einer Stunde merkten wir schließlich, dass unsere Beine wieder deutlich frischer waren. Der Most war ausgetrunken, die Rucksäcke wieder geschultert und der letzte große Anstieg des Tages wartete bereits auf uns.
Der letzte Anstieg des Tages
Gut gestärkt verabschiedeten wir uns von der Widderalp und machten uns an den letzten größeren Anstieg des Tages. Zunächst führte der Weg noch relativ gemütlich über die Weiden, auf denen die Kühe friedlich grasten. Doch schon bald änderte sich das Bild. Die Wiesen gingen in einen steinigeren Abschnitt über und der Pfad schlängelte sich in engen Serpentinen den Hang hinauf.

Mit jedem Schritt hofften wir, dass die nächste Kuppe bereits der höchste Punkt sein würde. Als wir schließlich eine kleine Senke erreichten, waren wir überzeugt, den anstrengendsten Teil geschafft zu haben.
Doch die Berge hatten andere Pläne.
Am Widderalpsattel angekommen, eröffnete sich zwar ein wunderschöner Rundumblick über den Alpstein, gleichzeitig wurde aber schnell klar, dass der Weg noch längst nicht nur bergab führen würde. Der Pfad verlief nun schmal am Hang entlang, mal über steinige Passagen, mal durch kurze Wiesenstücke und immer wieder mit herrlichen Ausblicken auf die umliegenden Gipfel. Im Vergleich zum steilen Aufstieg war dieser Abschnitt zwar angenehmer zu laufen, dennoch verlangte auch er weiterhin Konzentration und Trittsicherheit.

Vorbei am Hundstein führte uns der Weg immer weiter durch die beeindruckende Berglandschaft. Hinter jeder Geländekante glaubten wir bereits unser Tagesziel entdeckt zu haben, doch die Meglisalp schien jedes Mal wieder ein Stück weiter entfernt zu liegen.
Die Meglisalp – mehr als nur eine Einkehr
Irgendwann öffnete sich das Tal vor uns und zum ersten Mal konnten wir die Meglisalp erkennen. Obwohl sie nun endlich in Sicht war, zog sich der letzte Abstieg noch erstaunlich lange hin. Über zahlreiche Serpentinen näherten wir uns Schritt für Schritt der kleinen Alpsiedlung.

Als wir schließlich ankamen, war die Erleichterung groß.
Noch bevor wir an Essen dachten, nahmen wir uns aus der SB-Theke erst einmal etwas zu trinken. Unser erster Most war so schnell ausgetrunken, dass wir direkt noch einen nächsten holten. Erst danach konnten wir unser Mittagessen in Ruhe genießen. Für mich gab es einen frischen Salat mit Ziegenkäse, dazu ein Rösti – genau das Richtige nach den vielen Kilometern durch die Berge.


Die Meglisalp ist für uns jedes Mal ein ganz besonderer Ort. Anders als viele kleine Alpen wirkt sie fast wie ein eigenes kleines Bergdorf. Neben dem Berggasthaus gibt es mehrere Gebäude, eine kleine Kapelle und landwirtschaftliche Betriebe. Obwohl hier oben alles sehr ursprünglich wirkt, steckt hinter dem Alltag unglaublich viel Organisation und Arbeit.
Die Alp ist ausschließlich zu Fuß oder über eine Materialseilbahn erreichbar. Alles, was hier benötigt wird, muss auf diesem Weg transportiert werden. Besonders spannend fanden wir, dass die Milch der Kühe nicht direkt auf der Meglisalp zu Käse verarbeitet wird. Stattdessen wird sie mit der Materialseilbahn ins Tal beziehungsweise zur Seealp transportiert und dort weiterverarbeitet.
Wenn man solche Geschichten kennt, betrachtet man die Preise auf einer Alp automatisch mit anderen Augen. Viele Gäste empfinden sie zunächst als hoch. Doch hinter jedem Stück Käse, jedem Glas Most und jedem Rösti steckt ein logistischer Aufwand, den man sich im Alltag oft gar nicht vorstellen kann.
Der lange Weg zurück nach Wasserauen
Nach einer ausgiebigen Pause machten wir uns schließlich auf den letzten Abschnitt unserer Wanderung.
Zunächst führte der Weg noch einmal leicht bergauf, bevor er sich oberhalb des Seealpsees am Hang entlangzog. Immer wieder öffneten sich wunderschöne Ausblicke auf den tiefblauen See, den wir bereits am Vortag besucht hatten. Von hier oben wirkte alles fast unwirklich ruhig.

Obwohl wir Wasserauen schon tief unten im Tal erkennen konnten, zog sich der Weg deutlich länger, als wir erwartet hatten. Genau das unterschätzt man in den Bergen häufig. Was auf der Karte nach einer kurzen Strecke aussieht, kann in der Realität noch eine gute Stunde Gehzeit bedeuten.
Schließlich verließen wir die offenen Hänge und tauchten wieder in den Wald ein. Im Schatten war es zwar etwas angenehmer, doch der Weg blieb weiterhin steil und forderte nach den vergangenen beiden Wandertagen noch einmal die letzten Kraftreserven.
Als wir schließlich den Bahnhof von Wasserauen erreichten, waren wir ehrlich gesagt ziemlich froh, es geschafft zu haben. Umso größer war die Freude, als nur wenige Minuten später bereits unser Zug nach Appenzell einfuhr. Nach zwei intensiven Wandertagen konnten wir die Rucksäcke endlich absetzen und die vielen Eindrücke langsam Revue passieren lassen.
Was uns von dieser Zweitagestour besonders in Erinnerung bleiben wird
Wenn wir heute an diese Wanderung zurückdenken, denken wir nicht zuerst an Höhenmeter oder Kilometer. Es sind vielmehr die vielen kleinen Momente, die diese Tour so besonders gemacht haben.
Der Sonnenuntergang an der Bollenwees, die Ruhe am Fählensee und die Alphörner, deren Klänge am Abend durch das Tal hallten. Die Gespräche mit den beiden Männern auf der Widderalp, die den Sommer über fernab des Alltags auf der Alp leben und sich mit großer Leidenschaft um ihre Tiere kümmern. Der spontane New York Cheesecake, der aus überschüssiger Milch und Molke entstand, und die Erkenntnis, wie nachhaltig und wertschätzend dort oben mit Lebensmitteln umgegangen wird.
Dazu kamen die weiten Ausblicke über den Alpstein, die schroffen Felsen, die kleinen Bergseen und das Gefühl, zwei Tage lang vollständig in diese beeindruckende Bergwelt eingetaucht zu sein.
Genau diese Mischung aus Natur, Begegnungen und Erlebnissen macht diese Tour für uns zu einer der schönsten Wanderungen, die wir bisher in der Schweiz unternommen haben.
Häufige Fragen zur Wanderung Bollenwees – Widderalp – Meglisalp – Wasserauen
Wie schwer ist die Wanderung von der Bollenwees nach Wasserauen?
Die Tour ist anspruchsvoll und setzt eine gute Kondition sowie Trittsicherheit voraus. Besonders der Aufstieg zur Widderalp kann bei sommerlichen Temperaturen sehr anstrengend werden.
Wie lang ist die Wanderung?
Unsere Strecke war laut Komoot rund 10,7 Kilometer lang. Mit allen Pausen waren wir knapp acht Stunden unterwegs, die reine Gehzeit lag bei etwa 3,5 Stunden.
Kann man unterwegs einkehren?
Ja. Sowohl auf der Widderalp als auch auf der Meglisalp könnt ihr einkehren und regionale Spezialitäten genießen.
Ist genügend Trinkwasser vorhanden?
Gerade an heißen Sommertagen solltet ihr ausreichend Wasser mitnehmen. Unterwegs gibt es nur wenige Möglichkeiten zum Nachfüllen.
Ist die Meglisalp mit dem Auto erreichbar?
Nein. Die Meglisalp ist ausschließlich zu Fuß oder über eine Materialseilbahn erreichbar.
Lohnt sich eine Übernachtung auf der Bollenwees?
Für uns ganz klar: Ja. Erst durch die Übernachtung konnten wir den Sonnenuntergang, den Sonnenaufgang und die besondere Ruhe im Alpstein erleben. Diese Momente hätten wir bei einer Tagestour verpasst.
Unser Fazit – Bollenwees Widderalp Meglisalp Wasserauen Wanderung
Die Wanderung von der Bollenwees über die Widderalp und die Meglisalp nach Wasserauen war für uns der perfekte Abschluss unserer Zeit im Alpstein. Sie hat uns noch einmal gezeigt, dass die schönsten Erinnerungen oft nicht nur durch spektakuläre Landschaften entstehen, sondern vor allem durch Begegnungen mit den Menschen, die diese Orte prägen.
Mit der Ankunft in Wasserauen endete nicht nur unsere Zweitagestour, sondern auch unsere 14-tägige Rundreise durch die Schweiz. In diesen zwei Wochen haben wir hohe Pässe überquert, türkisfarbene Seen entdeckt, beeindruckende Wasserfälle besucht, mediterranes Flair im Tessin erlebt und viele Kilometer zu Fuß zurückgelegt.
Wenn uns heute allerdings jemand fragen würde, welcher Ort uns am nachhaltigsten beeindruckt hat, müssten wir nicht lange überlegen.
Der Alpstein.
Nicht wegen eines einzelnen Aussichtspunktes oder eines berühmten Fotomotivs, sondern wegen der besonderen Atmosphäre. Wegen der Menschen, die den Sommer auf den Alpen verbringen. Wegen der Stille am Morgen, der Alphörner am Abend und der vielen kleinen Begegnungen, die sich nicht planen lassen.
Wir sind inzwischen bereits zum zweiten Mal hier gewesen – und eines ist für uns jetzt schon sicher:
Es wird ganz bestimmt nicht unser letzter Besuch im Alpstein gewesen sein.
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